Das verspätete Urlaubsstorno

Eine seit lan­gem geplan­te und gebuch­te Urlaubs­rei­se wegen Erkran­kung absa­gen zu müs­sen, ist ärger­lich genug. Mit einer Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung wähnt man sich zumin­dest sicher vor Stor­nie­rungs­kos­ten. Wer jedoch in Kennt­nis sei­ner Erkran­kung die Rei­se zu spät absagt und dadurch erhöh­te Stor­no­kos­ten ver­ur­sacht, kann dadurch sei­nen Anspruch gegen die Ver­si­che­rung ver­lie­ren.

Das verspätete Urlaubsstorno

Das zeigt ein von Amts- und Land­ge­richt Coburg behan­del­ter Fall, bei dem ein ver­hin­der­ter Urlau­ber auf fast 1.000 € sit­zen blieb. Er hat­te nach einer Ampu­ta­ti­on zu lan­ge auf eine recht­zei­ti­ge Gene­sung ver­traut. Die dadurch erhöh­ten Stor­no­kos­ten muss­te er daher selbst tra­gen.

Mit mehr als neun Mona­ten Vor­lauf hat­te der Klä­ger eine Bus­rei­se nach Süd­ita­li­en gebucht und eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abge­schlos­sen. Vier Mona­te vor Rei­se­an­tritt muss­ten ihm Zehen ampu­tiert wer­den. Obwohl es zu mas­si­ven Wund­hei­lungs­stö­run­gen mit Nach-OP kam, sag­te er die Rei­se erst eine Woche vor dem beab­sich­tig­ten Beginn ab. Von den Stor­no­kos­ten in Höhe von 1.150 € über­nahm die beklag­te Ver­si­che­rung nur knapp 200 €. Ihre Begrün­dung: Die­ser Betrag wäre ange­fal­len, hät­te der Klä­ger die Rei­se spä­tes­tens 30 Tage vor Antritt abge­sagt.

Die Cobur­ger Rich­ter gaben der Ver­si­che­rung Recht. Den Klä­ger traf die ver­trag­li­che Pflicht, bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls die Rei­se unver­züg­lich zu stor­nie­ren, um die Stor­no­kos­ten mög­lichst gering zu hal­ten. Die­se Oblie­gen­heit ver­letz­te er grob fahr­läs­sig. Denn spä­tes­tens rund zwei Mona­te vor dem Urlaubs­be­ginn hät­te sich ihm wegen der Kom­pli­ka­tio­nen auf­drän­gen müs­sen, dass er den Beschwer­nis­sen einer Bus­rei­se ohne Ver­sor­gung durch Pfle­ge­per­so­nal nicht gewach­sen sein wür­de. Die Ver­si­che­rung war daher leis­tungs­frei.

Trotz Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung soll­te man bei einer schwe­ren Erkran­kung also nicht auf eine „wun­der­sa­me Schnell­hei­lung“ ver­trau­en, son­dern schon im eige­nen finan­zi­el­len Inter­es­se die Rei­se unver­züg­lich stor­nie­ren – und sich damit trös­ten, dass der nächs­te Urlaub bestimmt kommt.

Amts­ge­richt Coburg, Urteil vom 29. Janu­ar 2009 — 11 C 68408;
Land­ge­richt Coburg, Hin­weis­ver­fü­gung vom 27. März 2009 — 32 S 709