Flugbuchungen im Internet — und die ausgewiesenen Preise

Flug­ge­sell­schaf­ten müs­sen im Rah­men eines elek­tro­ni­schen Buchungs­sys­tems bei jeder Anga­be von Prei­sen für Flü­ge und damit auch bei der erst­ma­li­gen Anga­be von Prei­sen den zu zah­len­den End­preis ein­schließ­lich aller Preis­be­stand­tei­le ange­ben.

Flugbuchungen im Internet — und die ausgewiesenen Preise

In ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof im Fall einer Ber­li­ner Flug­ge­sell­schaft, die unter ihrer Inter­net­adres­se ein meh­re­re Schrit­te umfas­sen­des elek­tro­ni­sches Buchungs­sys­tem für die von ihr ange­bo­te­nen Flug­diens­te bereit­hält. Bis Ende 2008 war die­ses Buchungs­sys­tem in der Wei­se gestal­tet, dass der Kun­de nach der im ers­ten Schritt erfolg­ten Wahl des Flug­ziels und des Datums in einem zwei­ten Schritt eine Tabel­le mit Abflug- und Ankunfts­zei­ten und der Anga­be des Flug­prei­ses jeweils in zwei unter­schied­li­chen Tari­fen vor­fand. Unter­halb der Tabel­le waren in einem geson­der­ten Kas­ten die für einen aus­ge­wähl­ten Flug anfal­len­den Steu­ern und Gebüh­ren sowie der Kero­sin­zu­schlag ange­ge­ben und der dar­aus berech­ne­te „Preis pro Per­son“ durch eine Umran­dung aus­ge­wie­sen. Hin­ter dem Kas­ten war ein Stern­chen­hin­weis ange­bracht, über den am Ende des zwei­ten Buchungs­schritts auf den mög­li­chen Anfall und die Bedin­gun­gen einer zunächst nicht in den End­preis ein­ge­rech­ne­ten Bear­bei­tungs­ge­bühr („Ser­vice Char­ge“) hin­ge­wie­sen wur­de. Nach­dem der Kun­de die erfor­der­li­chen Daten in einem drit­ten Buchungs­schritt ein­ge­ge­ben hat­te, wur­de in einem vier­ten Buchungs­schritt der Rei­se­preis ein­schließ­lich der Bear­bei­tungs­ge­bühr aus­ge­wie­sen.

Nach­dem die Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für die Durch­füh­rung von Luft­ver­kehrs­diens­ten in der Euro­päi­schen Uni­on am 1. Novem­ber 2008 in Kraft getre­ten war, änder­te die Flug­ge­sell­schaft ihr Buchungs­sys­tem im Jah­re 2009. Im zwei­ten Buchungs­schritt führ­te die Flug­ge­sell­schaft in der tabel­la­ri­schen Über­sicht der Abflug- und Ankunfts­zei­ten wie­der nur den Flug­preis an. Für einen aus­ge­wähl­ten Flug gab die Flug­ge­sell­schaft am Ende der Tabel­le den Flug­preis, Steu­ern und Gebüh­ren, den Kero­sin­zu­schlag und die Sum­me die­ser Beträ­ge an. In einem geson­der­ten Kas­ten unter­halb der Tabel­le wur­den der aus die­sen Anga­ben gebil­de­te Preis und die „Ser­vice Char­ge“ ange­ge­ben und dar­un­ter der dar­aus berech­ne­te Preis pro Per­son aus­ge­wie­sen.

Nach Ansicht des kla­gen­den Ver­brau­cher­schutz­ver­ban­des ent­spre­chen bei­de Preis­dar­stel­lun­gen nicht den Anfor­de­run­gen des Art. 23 Abs.1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008. Der Klä­ger hat die Flug­ge­sell­schaft daher auf Unter­las­sung und auf Erstat­tung sei­ner Abmahn­kos­ten in Anspruch genom­men. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Ber­lin hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben1. Das Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt bestä­tig­te die­ses Urteil und wies die Beru­fung der Flug­ge­sell­schaft zurück2. Mit ihrer vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt die Flug­ge­sell­schaft ihren Antrag auf Abwei­sung der Kla­ge wei­ter.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Ver­fah­ren zunächst aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on Fra­gen zur Aus­le­gung des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt3. Nach dem dar­auf­hin ergan­ge­nen Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs4 ist Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 dahin aus­zu­le­gen, dass der zu zah­len­de End­preis im Rah­men eines elek­tro­ni­schen Buchungs­sys­tems wie des im Aus­gangs­ver­fah­ren in Rede ste­hen­den bei jeder Anga­be von Prei­sen für Flug­diens­te, ein­schließ­lich bei ihrer erst­ma­li­gen Anga­be, aus­zu­wei­sen ist. Der zu zah­len­de End­preis ist dabei nicht nur für den vom Kun­den aus­ge­wähl­ten Flug­dienst, son­dern für jeden Flug­dienst aus­zu­wei­sen, des­sen Preis ange­zeigt wird.

In Umset­zung die­ser Vor­ab­ent­schei­dung des EuGH hat nun­mehr der Bun­des­ge­richts­hof die Revi­si­on der Flug­ge­sell­schaft zurück­ge­wie­sen. Die tabel­la­ri­sche Preis­dar­stel­lung des bean­stan­de­ten Buchungs­sys­tems in der von der Flug­ge­sell­schaft bis Ende 2008 ver­wen­de­ten Fas­sung ver­stieß gegen die Vor­ga­ben des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008, weil für die in der Tabel­le dar­ge­stell­ten Flug­diens­te ledig­lich die rei­nen Flug­prei­se aus­ge­wie­sen waren und der End­preis für einen bestimm­ten Flug­dienst erst im wei­te­ren Buchungs­pro­zes­ses auf spä­te­ren Inter­net­sei­ten ange­ge­ben war. Es fehl­te damit an einer über­sicht­li­chen Dar­stel­lung der End­prei­se. Auch bei dem im Jahr 2009 geän­der­ten Buchungs­sys­tem der Flug­ge­sell­schaft erfolg­te die Anga­be eines End­prei­ses (Flug­preis zuzüg­lich Steu­ern und Gebüh­ren, Kero­sin­zu­schlag und Ser­vice­ge­bühr) ent­ge­gen den Vor­ga­ben des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung nur für einen aus­ge­wähl­ten Flug und nicht für sämt­li­che in der Tabel­le ange­zeig­ten Flug­diens­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Juli 2015 — I ZR 2912

  1. LG Ber­lin, Urteil vom 20.04.2010 — 16 O 2709 []
  2. KG, Urteil vom 04.01.2012 — 24 U 9010 []
  3. BGH, Beschluss vom 18.09.2013 — I ZR 2912, GRUR 2013, 1247 = WPR 2013, 1593 []
  4. EuGH, Urteil vom 15.01.2015 — C‑573/13, GRUR 2015, 281 = WRP 2105,326 []