Genehmigung der Flughafenentgelte

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on Fra­gen zur Aus­le­gung der EU-Richt­li­nie 2009/12/EG vom 11. März 2009 über Flug­ha­fen­ent­gel­te — ins­be­son­de­re zur Reich­wei­te der Geneh­mi­gung der Flug­ha­fen­ent­gel­te durch die unab­hän­gi­ge Auf­sichts­be­hör­de — vor­ge­legt.

Genehmigung der Flughafenentgelte

Im Aus­gangs­ver­fah­ren hat­te das beklag­te Land Ber­lin — Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt — auf Antrag des bei­gela­de­nen Flug­ha­fen­be­trei­bers mit Bescheid vom 13. Okto­ber 2014 eine Ände­rung der Ent­gelt­ord­nung für den Flug­ha­fen Ber­lin — Tegel geneh­migt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge eines Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens mit Urteil vom 22. Juni 2016 als unzu­läs­sig abge­wie­sen. Das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men kön­ne nicht gel­tend machen, durch Ertei­lung der Geneh­mi­gung in eige­nen Rech­ten ver­letzt zu sein; des­halb feh­le ihm die Kla­ge­be­fug­nis (§ 42 Abs. 2 VwGO). Die Umset­zung der Flug­ha­fen­ent­gel­te-Richt­li­nie in § 19b LuftVG habe inso­weit an der bis­he­ri­gen, höchst­rich­ter­lich bestä­tig­ten Rechts­la­ge nichts geän­dert. Die Geneh­mi­gung der Ent­gelt­ord­nung habe nach wie vor kei­ne pri­vat­rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung. Die Rege­lun­gen zu den Flug­ha­fen­ent­gel­ten in § 19b LuftVG sei­en auch nicht dazu bestimmt, die Inter­es­sen der Flug­ha­fen­nut­zer zu schüt­zen. Die auf pri­vat­recht­li­cher Grund­la­ge gezahl­ten Ent­gel­te unter­lä­gen einer aus­rei­chen­den zivil­ge­richt­li­chen Kon­trol­le am Maß­stab des § 315 BGB.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat im Hin­blick auf ein Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 9. Novem­ber 20171 zu Wege­ent­gel­ten im Eisen­bahn­ver­kehr das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on fol­gen­de Fra­gen zur Ent­schei­dung vor­ge­legt:

  1. Ist eine natio­na­le Vor­schrift, die vor­sieht, dass die vom Flug­ha­fen­lei­tungs­or­gan beschlos­se­ne Flug­ha­fen­ent­geltre­ge­lung der unab­hän­gi­gen Auf­sichts­be­hör­de zur Bil­li­gung vor­zu­le­gen ist, ohne dem Flug­ha­fen­lei­tungs­or­gan und dem Flug­ha­fen­nut­zer zu ver­bie­ten, ande­re als die von der Auf­sichts­be­hör­de gebil­lig­ten Ent­gel­te fest­zu­set­zen, mit der Richt­li­nie 2009/12/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11. März 2009 über Flug­ha­fen­ent­gel­te (ABl. L 70 S 11), ins­be­son­de­re deren Art. 3, Art. 6 Abs. 3 bis 5 sowie Art. 11 Abs. 1 und 7, zu ver­ein­ba­ren?
  2. Ist eine Aus­le­gung des natio­na­len Rechts mit der genann­ten Richt­li­nie ver­ein­bar, wonach es einem Flug­ha­fen­nut­zer ver­wehrt ist, die Bil­li­gung der Ent­gelt­ord­nung durch die unab­hän­gi­ge Auf­sichts­be­hör­de anzu­fech­ten, er aber gegen das Flug­ha­fen­lei­tungs­or­gan Kla­ge erhe­ben und dort gel­tend machen kann, dass das in der Ent­gelt­ord­nung fest­ge­leg­te Ent­gelt nicht der Bil­lig­keit ent­spre­che?

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. April 2018 — 3 C 20.16

  1. EuGH, Urteil vom 09.11.2017 — C‑489/15 []