Reiseabbruch oder Reiseunterbrechung?

Ein Rei­se­ab­bruch liegt nur vor, wenn eine Rei­se been­det wird. Wird die­se nur vor­läu­fig ein­ge­stellt, um spä­ter wie­der auf­ge­nom­men zu wer­den, liegt eine blo­ße Unter­bre­chung vor. Eine sol­che wird im Regel­fall von der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung nicht umfasst.

Reiseabbruch oder Reiseunterbrechung?

In einem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Mann zusam­men mit sei­ner Ehe­frau eine Süd­ame­ri­ka­rei­se gebucht, die den gan­zen Febru­ar 2008 dau­ern soll­te. Sie führ­te u.a. durch Boli­vi­en, Peru und Bra­si­li­en. Mit­te Febru­ar muss­te sich der Ehe­mann wegen eines Lun­gen­ödems, das infol­ge einer Höhen­krank­heit auf­ge­tre­ten war, zur sta­tio­nä­ren Behand­lung ein­lie­fern las­sen. Der Kran­ken­haus­auf­ent­halt dau­er­te 5 Tage. Dann setz­ten der Ehe­mann und sei­ne Ehe­frau, die in der frag­li­chen Zeit bei ihrem Mann im Kran­ken­haus blieb, die Rei­se fort. Eini­ge der gebuch­ten Über­nach­tun­gen oder Aus­flü­ge konn­ten sie jedoch nicht mehr in Anspruch neh­men. Des­halb wand­te sich der Ehe­mann nach sei­ner Rück­kehr an sei­ne Ver­si­che­rung, bei der er eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abge­schlos­sen hat­te und ver­lang­te den Ersatz der aus­ge­fal­le­nen Leis­tun­gen, ins­ge­samt 2870 US-$.

Die Ver­si­che­rung wei­ger­te sich zu bezah­len. In den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sei ver­ein­bart, dass Ent­schä­di­gung zu leis­ten sei bei Abbruch der Rei­se auf Grund einer uner­war­te­ten schwe­ren Erkran­kung des Ver­si­cher­ten. Hier lie­ge aber kein Abbruch, son­dern nur eine Unter­bre­chung vor. Dem wider­sprach der Klä­ger. Es han­de­le sich nicht um eine blo­ße Unter­bre­chung. Eine Unter­bre­chung set­ze vor­aus, dass die Rei­se an der Stel­le fort­ge­setzt wer­de, an der sie unter­bro­chen wur­de. Das sei bei einer Rund­rei­se nicht der Fall.

Das Amts­ge­richt Mün­chen gab jedoch der Ver­si­che­rung Recht und wies die Kla­ge ab:

Die Erstat­tung der Leis­tun­gen sei vom Ver­si­che­rungs­schutz nicht umfasst. In den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sei nur der Abbruch ver­si­chert. Es han­de­le sich vor­lie­gend aber nicht um einen Abbruch, son­dern um eine Unter­bre­chung der Leis­tung. Ein Rei­se­ab­bruch lie­ge nur vor, wenn die Rei­se been­det wür­de. Dies erge­be sich bereits aus dem Wort „Abbruch“. Im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch sei das Wort „Abbruch“ als eine plötz­li­che und vor­zei­ti­ge Been­di­gung eines Vor­gangs zu ver­ste­hen. Dage­gen lie­ge bei einem vor­läu­fi­gen Ein­stel­len eines Vor­gangs, der spä­ter wie­der auf­ge­nom­men wer­de, eine blo­ße Unter­bre­chung vor. Der Klä­ger habe aber die Rei­se gera­de wie­der auf­ge­nom­men, habe sie also nicht been­det.

Das Erfor­der­nis einer Been­di­gung der Rei­se zur Her­bei­füh­rung einer Leis­tungs­pflicht erge­be sich auch aus dem Sinn und Zweck einer Rei­se­rück­tritts­kos­ten­ver­si­che­rung. Bereits das Wort Rück­tritts­kos­ten impli­zie­re, dass sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer durch den Abschluss der Ver­si­che­rung vor hohen Auf­wen­dun­gen für eine Rei­se, die er wegen eines uner­war­te­ten Ereig­nis­ses nicht in Anspruch neh­men kön­ne, schüt­zen wol­le. Abge­si­chert wer­de grund­sätz­lich der Total­ver­lust der gesam­ten Rei­se. Dies wer­de auf den Abbruch aus­ge­wei­tet. Eine zusätz­li­che Erwei­te­rung auf eine Unter­bre­chung sei nicht gewollt.

Soweit der Klä­ger vor­tra­ge, gera­de bei einer Rund­rei­se erge­be sich der Abbruch auch bei einer Nichtin­an­spruch­nah­me ein­zel­ner Rei­se­leis­tun­gen, weil die Rei­se nicht am sel­ben, son­dern an einem ande­ren Ort fort­ge­setzt wer­den müs­se, über­zeu­ge dies nicht. Auch hier wer­de, wenn eine Teil­stre­cke aus­ge­las­sen wer­de, die Rund­rei­se unter­bro­chen und an ande­rer Stel­le der vor­ge­se­he­nen Rou­te fort­ge­setzt.

Wäre die Rechts­auf­fas­sung des Klä­gers rich­tig, wür­de jede noch so kur­ze Unter­bre­chung der Rei­se den Ver­si­che­rungs­fall aus­lö­sen. Dies sei aber ersicht­lich nicht gewollt.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 10. Dezem­ber 2009 — 223 C 2764309