Der Unfall beim Hoteltransfer

Ein Rei­se­ver­an­stal­ter muss auch nach einem unver­schul­de­tem Unfall beim Hotel­trans­fer dem betrof­fe­nen Rei­sen­den den Rei­se­preis erstat­ten.

Der Unfall beim Hoteltransfer

In den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fäl­len buch­ten die bei­den Rei­sen­den bei der Rei­se­ver­an­stal­te­rin eine Pau­schal­rei­se vom 15.12 bis 29.12 2013 in die Tür­kei. Im Rei­se­preis war der Trans­fer vom Flug­ha­fen zum Hotel inbe­grif­fen. Auf die­ser Fahrt kam es zu einem Ver­kehrs­un­fall, bei dem der Trans­fer­bus auf der eige­nen Fahr­spur durch ein ent­ge­gen­kom­men­des Fahr­zeug gerammt wur­de. Die bei­den Rei­sen­den erlit­ten zum Teil schwe­re Ver­let­zun­gen. Sie sehen in dem Unfall einen Rei­se­man­gel im Sin­ne des § 651c Abs. 1 BGB und ver­lan­gen von dem beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­ter unter ande­rem nach § 651d Abs. 1 BGB die Rück­zah­lung des Rei­se­prei­ses.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Neuss hat den Kla­gen der Rei­sen­den teil­wei­se statt­ge­ge­ben1. Auf die Beru­fung der Rei­se­ver­an­stal­te­rin hat dage­gen das Land­ge­richt Düs­sel­dorf in bei­den Fäl­len die Kla­gen ins­ge­samt abge­wie­sen2. Das Land­ge­richt hat das Vor­lie­gen eines Rei­se­man­gels ver­neint und ange­nom­men, der durch den „Geis­ter­fah­rer“ ver­ur­sach­te Unfall ver­wirk­li­che ein all­ge­mei­nes Lebens­ri­si­ko der Rei­sen­den, für das der Rei­se­ver­an­stal­ter nicht ein­zu­ste­hen habe. Auf die Revi­si­on der Rei­sen­den hat nun der Bun­des­ge­richts­hof in bei­den Fäl­len die Beru­fungs­ur­tei­le des Land­ge­richts Düs­sel­dorf wie­der auf­ge­ho­ben und den Rei­se­ver­an­stal­ter zur Erstat­tung des Rei­se­prei­ses ver­ur­teilt:

Die Rei­se­leis­tung war ins­ge­samt man­gel­haft, weil es dem Rei­se­ver­an­stal­ter nicht gelun­gen ist, die Rei­sen­den unver­sehrt zu dem gebuch­ten Hotel zu brin­gen und sie des­we­gen auch die wei­te­ren Rei­se­leis­tun­gen nicht in Anspruch neh­men konn­ten.

Der Umstand, dass den Rei­se­ver­an­stal­ter kein Ver­schul­den an dem durch den „Geis­ter­fah­rer“ ver­ur­sach­ten Unfall traf, ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs für die Erstat­tung des Rei­se­prei­ses uner­heb­lich, weil der Rei­se­ver­an­stal­ter die Preis­ge­fahr (d.h. das Risi­ko, den ver­ein­bar­ten Rei­se­preis nicht zu erhal­ten) auch dann trägt, wenn der Rei­se­er­folg durch Umstän­de ver­ei­telt wird, die weder ihm noch dem Rei­sen­den zuge­rech­net wer­den kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 6. Dezem­ber 2016 — X ZR 11715 und X ZR 11815

  1. AG Neuss, Urteil vom 17.02.2015 — 75 C 313914 []
  2. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 09.10.2015 – 22 S 16515 []