Der Systemausfall im Flughafenterminal — und die Flugverspätung

Bei einer ver­zö­ger­ten Abfer­ti­gung wegen eines mehr­stün­di­gen Sys­tem­aus­falls in einem Flug­ha­fen­ter­mi­nal besteht kein Aus­gleichs­an­spruch des Flug­gas­tes nach Art. 7 Abs. 1 Satz 1 Buchst. c der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung (Ver­ord­nung (EG) Nr. 2612004).

Der Systemausfall im Flughafenterminal — und die Flugverspätung

In den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len buch­ten die bei­den Rei­sen­den bei dem beklag­ten Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men Flü­ge von New York nach Lon­don mit Anschluss­flü­gen nach Stutt­gart. Die Flü­ge von New York nach Lon­don star­te­ten ver­spä­tet und lan­de­ten mehr als zwei Stun­den nach der vor­ge­se­he­nen Ankunfts­zeit. Infol­ge­des­sen erreich­ten die Rei­sen­den den ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Wei­ter­flug in Lon­don nicht und kamen mit einer Ver­spä­tung von mehr als neun Stun­den in Stutt­gart an. Die Flug­ge­sell­schaft beruft sich auf außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de.

Das Land­ge­richt Stutt­gart hat in bei­den Fäl­len die Kla­gen auf die Aus­gleichs­leis­tung abge­wie­sen1. Nach sei­nen Fest­stel­lun­gen wur­de die Ver­spä­tung der Flü­ge durch einen Aus­fall aller Com­pu­ter­sys­te­me an den Abfer­ti­gungs­schal­tern des Ter­mi­nals 7 am John‑F.-Kennedy-Flug­ha­fen New York ver­ur­sacht. Auf­grund eines Streiks bei dem für die Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tun­gen gegen­über dem Flug­ha­fen­be­trei­ber ver­ant­wort­li­chen Unter­neh­men konn­te der Sys­tem­aus­fall erst nach 13 Stun­den beho­ben wer­den. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dies nun bestä­tigt und in bei­den Fäl­len die Revi­si­on der Rei­sen­den zurück­ge­wie­sen:

Nach den Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs ist das Land­ge­richt Stutt­gart zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass ein mehr­stün­di­ger Aus­fall aller Com­pu­ter­sys­te­me an den Abfer­ti­gungs­schal­tern eines Ter­mi­nals außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de im Sin­ne des Art. 5 Abs. 3 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung begrün­den kann. Der Betrieb der tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen eines Flug­ha­fens, zu denen auch die Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tun­gen gehö­ren, obliegt dem Flug­ha­fen­be­trei­ber. Ein Sys­tem­aus­fall, der dar­auf beruht, dass die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der­ar­ti­ger Ein­rich­tun­gen durch einen tech­ni­schen Defekt über einen län­ge­ren Zeit­raum beein­träch­tigt oder auf­ge­ho­ben wird, stellt ein Ereig­nis dar, das von außen auf den Flug­be­trieb des Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens ein­wirkt und des­sen Ablauf beein­flusst. Ein der­ar­ti­ges Vor­komm­nis ist von die­sem Unter­neh­men jeden­falls nicht zu beherr­schen, da die Über­wa­chung, War­tung und Repa­ra­tur der­ar­ti­ger Ein­rich­tun­gen nicht in sei­nen Ver­ant­wor­tungs- und Zustän­dig­keits­be­reich fällt.

Auch die Wür­di­gung des Land­ge­richts Stutt­gart, die Flug­ge­sell­schaft habe mit der manu­ell und über Mit­ar­bei­ter in Washing­ton tele­fo­nisch durch­ge­führ­ten Abfer­ti­gung der Flug­gäs­te alle ihr zumut­ba­ren Maß­nah­men ergrif­fen, um den durch den Sys­tem­aus­fall beding­ten Beein­träch­ti­gun­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken, lässt kei­nen Rechts­feh­ler erken­nen. Dass die Flug­ge­sell­schaft durch ein Aus­wei­chen auf die tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen eines ande­ren Ter­mi­nals die Ver­spä­tung hät­te ver­hin­dern kön­nen, ist weder fest­ge­stellt noch vor­ge­tra­gen.

Uner­heb­lich ist, ob die Flug­ge­sell­schaft den Start des gebuch­ten Flugs von Lon­don nach Stutt­gart ver­schie­ben, die Klä­ge­rin­nen auf einen ande­ren Flug von Lon­don nach Stutt­gart umbu­chen oder einen zusätz­li­chen Flug nach Stutt­gart hät­te durch­füh­ren kön­nen. Selbst wenn dar­in der Flug­ge­sell­schaft zumut­ba­re Maß­nah­men gese­hen wür­den, kommt es hier­auf nicht an, weil damit die für Art. 5 Abs. 3 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung allein erheb­li­che Ver­spä­tung des Flu­ges von New York nach Lon­don nicht hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 15. Janu­ar 2018 —  – X ZR 1518 und X ZR 8518

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 21.12.2017 — 5 S 14217; und vom 28.02.2018 — 5 S 12517 []