Fluggastrechte bei „Wet Lease“-Flügen

Der Anspruch auf Aus­gleichs­leis­tung nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung ist nicht gegen­über dem Luft­fahrt­un­ter­neh­men, des­sen Flug­zeug und Besat­zung auf­grund einer „Wet-Lea­se-Ver­ein­ba­rung“ ein­ge­setzt wur­den, gel­tend zu machen, son­dern gegen­über dem Luft­fahrt­un­ter­neh­men, bei dem der Flug­gast den Flug gebucht hat.

Fluggastrechte bei „Wet Lease“-Flügen

In den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­lang­ten die kla­gen­den Flug­pas­sa­gie­re von dem beklag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­men wegen einer Flug­ver­spä­tung Aus­gleichs­leis­tun­gen ent­spre­chend Art. 5 Abs. 1 Buchst. c und Art. 7 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b der Ver­ord­nung (EG) Nr. 2612004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11. Febru­ar 2004 über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen und zur Auf­he­bung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 29691 (Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung).

Die Flug­pas­sa­gie­re buch­ten bei dem beklag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­men jeweils einen Flug von Düs­sel­dorf nach Nador (Marok­ko). Der Flug wur­de unter dem IATA-Code der beklag­ten Flug­ge­sell­schaft, jedoch auf­grund einer soge­nann­ten „Wet-Lea­se-Ver­ein­ba­rung“, d.h. einer Ver­ein­ba­rung zwi­schen zwei Luft­fahrt­un­ter­neh­men über das Ver­mie­ten eines Flug­zeugs, nach der der „Ver­mie­ter“ auch die Flug­zeug­be­sat­zung stellt, mit einem Flug­zeug und einer Besat­zung eines spa­ni­schen Luft­fahrt­un­ter­neh­mens durch­ge­führt. Der Flug erreich­te Nador mit einer Ver­spä­tung von mehr als sie­ben Stun­den.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Düs­sel­dorf hat die auf Zah­lung der Aus­gleichs­leis­tun­gen gerich­te­ten Kla­gen abge­wie­sen1, das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat die hier­ge­gen gerich­te­ten Beru­fun­gen der Flug­pas­sa­gie­re zurück­ge­wie­sen2. Dage­gen hat nun der Bun­des­ge­richts­hof auf die Revi­sio­nen der Flug­pas­sa­gie­re die ange­foch­te­nen Düs­sel­dor­fer Urtei­le auf­ge­ho­ben und den Flug­pas­sa­gie­ren die begehr­ten Aus­gleichs­leis­tun­gen zuge­spro­chen:

Anders als die Düs­sel­dor­fer Vor­in­stan­zen hat der Bun­des­ge­richts­hof nicht das Luft­fahrt­un­ter­neh­men, des­sen Flug­zeug und Besat­zung auf­grund der „Wet-Lea­se-Ver­ein­ba­rung“ ein­ge­setzt wur­den, son­dern das beklag­te Luft­fahrt­un­ter­neh­men als aus­füh­ren­des Luft­fahrt­un­ter­neh­men ange­se­hen, gegen­über dem der Anspruch auf Aus­gleichs­leis­tung nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung gel­tend zu machen ist. Er hat sich dabei ins­be­son­de­re auf den Erwä­gungs­grund 7 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung gestützt. Danach sol­len die Ver­pflich­tun­gen nach der Ver­ord­nung im Inter­es­se einer wirk­sa­men Anwen­dung dem aus­füh­ren­den Luft­fahrt­un­ter­neh­men oblie­gen, das einen Flug durch­führt, und zwar unab­hän­gig davon, ob der Flug mit einem eige­nen Luft­fahr­zeug oder mit einem (mit oder ohne Besat­zung) gemie­te­ten Luft­fahr­zeug oder in sons­ti­ger Form durch­ge­führt wird. Zudem ist das ver­mie­ten­de Luft­fahrt­un­ter­neh­men nicht bes­ser und gege­be­nen­falls man­gels Prä­senz am Flug­ha­fen auch gar nicht in der Lage, die in der Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Unter­stüt­zungs- und Aus­gleichs­leis­tun­gen zu erbrin­gen. Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass die unter ande­rem die Unter­rich­tung der Flug­gäs­te über das aus­füh­ren­de Luft­fahrt­un­ter­neh­men betref­fen­de Ver­ord­nung (EG) Nr. 21112005 vom 14. Dezem­ber 2005 aus­weis­lich ihres Erwä­gungs­grun­des 13 „Wet Lea­se“ als einen Fall ansieht, in dem das anmie­ten­de Luft­fahrt­un­ter­neh­men den Flug nicht selbst durch­führt. Die Unter­rich­tung nach Art. 11 Abs. 1 die­ser Ver­ord­nung dient vor­nehm­lich der Infor­ma­ti­on der Flug­gäs­te über mög­li­che Sicher­heits­ri­si­ken und damit ande­ren Belan­gen als die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 12. Sep­tem­ber 2017 — X ZR 10216 — X ZR 10616

  1. AG Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 07.04.2016 — 47 C 39015; und vom 17.02.2016 — 54 C 177615 []
  2. LG Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 28.10.2016 — 22 S 13916 und 22 S 9016 []