Unfall mit der Mas­sa­ge­lie­ge

Trifft ein Hote­lier bei der Ver­wen­dung einer leicht kip­pen­den Mas­sa­ge­lie­ge kei­ne Vor­keh­run­gen zum Schutz sei­ner Gäs­te, liegt ein Ver­stoß gegen sei­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten vor, die sich der Rei­se­ver­an­stal­ter zurech­nen las­sen muss. Nimmt ein Gast bei der Ver­wen­dung einer sol­chen Lie­ge die ange­bo­te­ne Hil­fe nicht an, kann es im Fall eines Stur­zes zu einem anre­chen­ba­ren Mit­ver­schul­den füh­ren.

Unfall mit der Mas­sa­ge­lie­ge

Das Land­ge­richt Frank­furt am Main hat mit die­ser Begrün­dung einer Klä­ge­rin in dem hier vor­lie­gen­den Fall für die Fol­gen eines Stur­zes ein Schmer­zens­geld in Höhe von 1.333,33 € zuge­spro­chen und ihr gleich­zei­tig ein Mit­ver­schul­den von einem Drit­tel ange­rech­net. Außer­dem besteht ein Anspruch auf Min­de­rung des Rei­se­prei­ses und auf Ersatz nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit in Höhe von jeweils 50 % antei­lig für die ver­blei­ben­den Urlaubs­ta­ge. Zusätz­lich muss der Haus­halts­füh­rungs­scha­dens erstat­tet wer­den.

Die zwei­wö­chi­ge Pau­schal­rei­se nach Tene­rif­fa, die von der Klä­ge­rin für sich und ihren Lebens­ge­fähr­ten gebucht wor­den ist, beinhal­te­te eben­falls fünf Mas­sa­ge­an­wen­dun­gen. Bei der Mas­sa­ge am vier­ten Urlaubs­tag ver­wen­de­te der Mas­seur eine nicht höhen­ver­stell­ba­re, klapp­ba­re, trans­por­ta­ble Mas­sa­ge­lie­ge. Vor die Lie­ge wur­de ein Fuß­tritt gestellt. Am Ende der Behand­lung bot der Mas­seur der 1,54 m gro­ßen Klä­ge­rin Hil­fe beim Abstei­gen an. Die Klä­ge­rin lehn­te ab, weil sie am Ober­kör­per unbe­klei­det und der Mas­seur männ­lich war. Sie ver­such­te ver­geb­lich mit ihren Füßen den Tritt zu errei­chen und woll­te sich sodann seit­lich von der Lie­ge hin­ab­glei­ten las­sen. Dabei kipp­te die Mas­sa­ge­lie­ge und die Klä­ge­rin stürz­te. Sie erlitt eine Frak­tur am Hand­ge­lenk und Prel­lun­gen an Kopf und Arm, die zu einem zwei­wö­chi­gen Taub­heits­ge­fühl in der lin­ken Kör­per­hälf­te führ­ten.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Frank­furt a.M. habe der Hote­lier, des­sen Ver­hal­ten dem beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­ter zuzu­rech­nen sei, gegen sei­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­sto­ßen. Trotz der Zulas­sung der mobi­len Mas­sa­ge­lie­ge für sta­tio­nä­re Anwen­dun­gen konn­te die Lie­ge leicht kip­pen, so dass Vor­keh­run­gen zum Schutz der Gäs­te hät­ten getrof­fen wer­den müs­sen. So hät­te der Mas­seur die Klä­ge­rin dar­auf hin­wei­sen müs­sen, dass die Lie­ge beim Abstei­gen kip­pen konn­te.

Da die Klä­ge­rin aber das Ange­bot abge­lehnt habe, sich von dem Mas­seur hel­fen zu las­sen, müs­se sie sich zu einem Drit­tel ein Ver­schul­den anrech­nen las­sen. Zwar sei es nach­voll­zieh­bar, dass sie sich nicht unbe­klei­det vor dem Her­ren habe zei­gen wol­len. Aller­dings hät­te sie sich mit einem Hand­tuch oder einem Klei­dungs­stück bede­cken oder um Hil­fe­stel­lung einer weib­li­chen Mit­ar­bei­te­rin bit­ten kön­nen.

Wei­ter ist der Klä­ge­rin ein Anspruch auf Min­de­rung des Rei­se­prei­ses und auf Ersatz nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit in Höhe von jeweils 50 % antei­lig für die ver­blei­ben­den Urlaubs­ta­ge zuge­spro­chen wor­den. Außer­dem steht ihr die Erstat­tung eines Haus­halts­füh­rungs­scha­dens zu, weil sie nach ihrer Rück­kehr meh­re­re Wochen ihren Haus­halt nicht ver­sor­gen konn­te.

Land­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 30. Okto­ber 2019 – 2–24 O 28/​18