Vogelschlag und Fluggastrechte

Ein Vogel­schlag begrün­det außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de im Sin­ne der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in zwei Fäl­len, in denen ein Flug auf­grund eines durch Vogel­schlag ver­ur­sa­chen Tur­bi­nen­scha­dens erheb­lich ver­spä­tet war oder annul­liert wor­den ist, Aus­gleichs­an­sprü­che von Flug­rei­sen­den nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung (EG) Nr. 2612004 abge­lehnt.

Vogelschlag und Fluggastrechte

Der Klä­ger des ers­ten Ver­fah­rens1 buch­te bei dem beklag­ten Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men eine Flug­rei­se von Frank­furt am Main über Brüs­sel nach Ban­jul (Gam­bia) und zurück. Der Rück­flug von Ban­jul nach Brüs­sel soll­te am 18. Janu­ar 2010 um 21.00 Uhr Orts­zeit star­ten und mit der Maschi­ne durch­ge­führt wer­den, die an die­sem Tag aus Brüs­sel ankam. Die­se Maschi­ne erlitt jedoch wäh­rend des Lan­de­an­flugs in Ban­jul einen Vogel­schlag, wodurch es zu einer Beschä­di­gung an einem Trieb­werk kam. Die Maschi­ne konn­te nicht recht­zei­tig repa­riert wer­den. Die Beklag­te muss­te ein Ersatz­flug­zeug aus Brüs­sel ein­flie­gen, das am Abend des 19. Janu­ar 2010 in Ban­jul lan­de­te. Mit die­sem Flug­zeug trat der Klä­ger am sel­ben Abend den Rück­flug an und lan­de­te am nächs­ten Tag in Frank­furt am Main.

Die Klä­ger des zwei­ten Ver­fah­rens2 buch­ten bei dem beklag­ten Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men einen Flug von Fuer­te­ven­tu­ra nach Han­no­ver. Der Start wur­de abge­bro­chen, weil Vögel in das Trieb­werk gera­ten waren. Die Klä­ger wur­den am Tag dar­auf von einer ande­ren Flug­ge­sell­schaft wei­ter­be­för­dert und tra­fen ca. 24 Stun­den spä­ter als geplant in Han­no­ver ein.

In bei­den Fäl­len haben sowohl erst­in­stanz­lich die Amts­ge­richt wie auch in der Beru­fungs­in­stanz die Land­ge­richt Frank­furt am Main und Han­no­ver die Kla­gen abge­wie­sen3. Mit den von den Land­ge­rich­ten in ihren Beru­fungs­ur­tei­len zuge­las­se­nen Revi­sio­nen ver­fol­gen die Klä­ger die Aus­gleichs­an­sprü­che wei­ter.

Im ers­ten Fall hat der Bun­des­ge­richts­hof die Revi­si­on zurück­ge­wie­sen: Vogel­schlag ist ein Ereig­nis, das außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de im Sin­ne von Art 5 Abs. 3 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung begrün­den kann. Vogel­schlag wirkt von außen auf den Flug­ver­kehr ein, er ist für das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men nicht vor­her­seh­bar und auch nicht beherrsch­bar; etwa mög­li­che Vogel­ver­grä­mungs­maß­nah­men fal­len nicht in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens, son­dern des Flug­ha­fen­be­trei­bers. Die infol­ge des Vogel­schlags ein­ge­tre­te­ne Ver­spä­tung oder Annul­lie­rung hät­te sich auch bei Ergrei­fung aller zumut­ba­ren Maß­nah­men nicht ver­mei­den las­sen, da das Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei ange­nom­men hat, dass die Beklag­te auf dem Flug­ha­fen Ban­jul kei­ne Ersatz­ma­schi­ne vor­hal­ten muss­te.

Im zwei­ten Fall hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und den Rechts­streit zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Da das Beru­fungs­ge­richt hier­zu kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, konn­te der Bun­des­ge­richts­hof nicht beur­tei­len, ob die Beklag­te alle zumut­ba­ren Maß­nah­men ergrif­fen hat, um zu ver­hin­dern, dass infol­ge des Vogel­schlags der Flug annul­liert wer­den muss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 24. Sep­tem­ber 2013 – X ZR 16012 und X ZR 12912

  1. BGH — X ZR 16012 []
  2. BGH — X ZR 12912 []
  3. AG Frank­furt am Main, Urteil vom 20.04.2012 – 29 C 22212; LG Frank­furt am Main, Urteil vom 29.11.2012 – 2 – 24 S 11112; AG Han­no­ver, Urteil vom 07.03.2012 – 436 C 1105411; LG Han­no­ver, Urteil vom 26.09.2012 — 12 S 2812 []