Die Türkeireise — und der Muezzinrufe als Reisemangel

In der Tür­kei sind Muez­zin­ru­fe lan­des­ty­pisch. Dar­in ist kein Rei­se­man­gel zu sehen. Eine abge­ro­che­ne Arm­leh­ne am Flug­zeug­sitz stellt eine blo­ße Unan­nehm­lich­keit dar und führt nicht zu einer sol­chen Beein­träch­ti­gung, dass der Flug ins­ge­samt unbrauch­bar ist.

Die Türkeireise — und der Muezzinrufe als Reisemangel

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge gegen ein Rei­se­un­ter­neh­men aus Han­no­ver abge­wie­sen, mit dem der Klä­ger für eine sei­ner Mei­nung nach man­gel­haf­te Rei­se in die Tür­kei die Rück­zah­lung von 1161,26 Euro begehrt hat. Der Klä­ger buch­te bei der Beklag­ten für die Zeit vom 4. bis 18. Sep­tem­ber 2013 eine Flug­pau­schal­rei­se mit All Inclu­si­ve- Leis­tun­gen in das Hotel „Ango­ra Beach Resort“ in Dog­an­bey für sich und sei­ne Part­ne­rin für 2258 Euro. Der Klä­ger bemän­gel­te, dass sich in der Nähe des Hotels eine Moschee befun­den und der Muez­zin begin­nend ab 6.00 Uhr mor­gens, ver­stärkt durch Laut­spre­cher, mehr­mals täg­lich für ca. 5 Minu­ten zum Gebet geru­fen habe. Außer­dem sei wäh­rend des Hin­flugs die Arm­leh­ne am Sitz abge­bro­chen, beim Rück­flug habe das Flug­zeug erst beim 3. Lan­de­ver­such unsanft auf­ge­setzt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Han­no­ver aus­ge­führt, dass Muez­zin­ru­fe in der Tür­kei lan­des­ty­pisch sind, ver­gleich­bar mit Kir­chen­glo­cken­ge­läut in einem christ­li­chen Land. Ein Rei­se­man­gel ist dar­in nicht zu sehen. Außer­dem war der Rei­se­be­schrei­bung zu ent­neh­men, dass sich das Hotel im Orts­zen­trum von Dog­an­bey befin­det, so dass der Klä­ger mit lan­des­ty­pi­schen Geräu­schen rech­nen muss­te.

Der defek­te Sitz stell­te zur Über­zeu­gung des Amts­ge­richts eine blo­ße Unan­nehm­lich­keit dar, die nicht zu einer Min­de­rung führt. Es war dem Klä­ger­vor­trag nicht zu ent­neh­men, wann und wie die Arm­leh­ne abge­bro­chen sein soll, außer­dem füh­re eine etwaig feh­len­de Arm­leh­ne nicht dazu, dass das Sit­zen der­art beein­träch­tigt wür­de, dass der Flug ins­ge­samt unbrauch­bar wäre.

Da die Lan­dung von Wet­ter­be­din­gun­gen abhängt auf die der Luft­be­för­de­rer kei­nen Ein­fluss hat, muss ein Flug­gast im Ein­zel­fall auch mit einer unsanf­ten Lan­dung rech­nen.

Amts­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 22. April 2014 — 559 C 4414