Der verspätete außereuropäische Anschlussflug

Für ver­spä­te­ten außer­eu­ro­päi­schen Anschluss­flug bestehen kei­ne Ansprü­che auf Aus­gleichs­zah­lun­gen nach Art. 7 Abs. 1c, Art. 5 Abs. 1c der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung (EG) Nr. 2612004.

Der verspätete außereuropäische Anschlussflug

Besteht eine Flug­rei­se aus zwei oder mehr Flü­gen, die jeweils von einer Flug­ge­sell­schaft unter einer bestimm­ten Flug­num­mer für eine bestimm­te Rou­te ange­bo­ten wer­den, ist die Anwend­bar­keit der Flug­gast­rech­te­verord-nung für jeden Flug geson­dert zu prü­fen. Dies gilt auch dann, wenn die Flü-ge von der­sel­ben Flug­ge­sell­schaft durch­ge­führt wer­den und als Anschluss-ver­bin­dung gemein­sam gebucht wer­den kön­nen1.

In den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len buch­ten die Klä­ger bei der Beklag­ten, jeweils einer Flug­ge­sell­schaft mit Sitz außer­halb der Euro­päi­schen Uni­on, einen Fern­flug ab Frank­furt am Main. Im ers­ten Fall soll­ten die Klä­ger das End­ziel Bélem (Bra­si­li­en) über São Pau­lo, im ande­ren Fall das End­ziel Bang­kok über Mus­kat (Oman) errei­chen. Jeweils erfolg­te der Flug von Frank­furt am Main zum Abflug­ha­fen des Anschluss­flugs plan­mä­ßig, jedoch ver­spä­te­te sich der Start des Anschluss­flu­ges, und die Klä­ger tra­fen erst rund acht Stun­den spä­ter als vor­ge­se­hen am End­ziel ein. Die Klä­ger mach­ten jeweils gel­tend, jedem von ihnen ste­he eine Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 600 € nach der Ver­ord­nung zu, da sie wegen der Ankunfts­ver­spä­tung am End­ziel nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on hin­sicht­lich des Aus­gleichs­an­spruchs den Flug­gäs­ten annul­lier­ter Flü­ge gleich­ge­stellt wer­den müss­ten. Es lie­ge ein ein­heit­li­cher Flug von Frank­furt am Main zu dem jewei­li­gen End­ziel vor. Daher sei die Ver­ord­nung gemäß deren Art. 3 Abs. 1a der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung anwend­bar.

Das erst­in­stanz­lich mit bei­den Kla­gen befass­te Amts­ge­richt Frank­furt am Main hat in einem der bei­den Fäl­le die beklag­te Flug­ge­sell­schaft antrags­ge­mäß ver­ur­teilt, im ande­ren Fall (durch einen ande­ren Rich­ter) die Kla­ge abge­wie­sen2. Auf die jewei­li­ge Beru­fung hat das Land­ge­richt Frank­furt am Main in bei­den Fäl­len die Kla­ge abge­wie­sen3: Der Aus­gleichs­an­spruch bestehe nicht, da die Ver­ord­nung nicht anwend­bar sei. Die Ver­spä­tung sei bei dem Anschluss­flug ein­ge­tre­ten, den die Klä­ger nicht in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on ange­tre­ten hät­ten.

Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te jetzt die bei­den kla­ge­ab­wei­sen­den Beru­fungs­ur­tei­le des Land­ge­richts Frank­furt am Main und ent­schied, dass die Aus­gleichs­an­sprü­che nicht bestehen, da die Ver­spä­tung jeweils bei dem Anschluss­flug ein­trat, den die Flug­gäs­te außer­halb der Euro­päi­schen Uni­on antra­ten und auf den daher die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung nach deren Art. 3 Abs. 1a nicht anwend­bar ist. Dies gilt, auch wenn der jeweils ers­te Flug in Frank­furt am Main gestar­tet ist, die­ser und der Anschluss­flug von der­sel­ben Flug­ge­sell­schaft durch­ge­führt und als Anschluss­ver­bin­dung gemein­sam gebucht wur­den. Besteht eine Flug­rei­se aus zwei oder mehr Flü­gen, die jeweils von einer Flug­ge­sell­schaft unter einer bestimm­ten Flug­num­mer für eine bestimm­te Rou­te ange­bo­ten wer­den, ist die Anwend­bar­keit der Ver­ord­nung für jeden Flug geson­dert zu prü­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 13. Novem­ber – X ZR 12/12 und X ZR 1412

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 28.05.2009 — Xa ZR 11308, NJW 2009, 2743 []
  2. AG Frank­furt am Main, Urtei­le vom 29.04.2011 – 29 C 10211 (46); und vom 09.06.2011 — 31 C 29111 (83) []
  3. LG Frank­furt am Main, Urtei­le vom 05.01.2012 – 2 – 24 S 13311 und 2 – 24 S 14511 []