Der verpasste Anschlussflug

Der Bun­des­ge­richts­hof hat erneut über Aus­gleichs­an­sprü­che von Flug­rei­sen­den nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung wegen einer Flug­ver­spä­tung ent­schie­den.

Der verpasste Anschlussflug

Die Klä­ger bean­spru­chen jeweils eine Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 600 €. Sie buch­ten bei der beklag­ten Ibe­ria S.A. eine Flug­rei­se von Mia­mi über Madrid nach Düs­sel­dorf. Der Abflug von Mia­mi nach Madrid ver­zö­ger­te sich um 1 Stun­de 20 Minu­ten. Die bereits bei Flug­an­tritt in Mia­mi mit Bord­kar­ten für die gesam­te Rei­se ver­se­he­nen Klä­ger erreich­ten Madrid ent­spre­chend mit Ver­spä­tung. Der Wei­ter­flug der Klä­ger soll­te an einem aus­ge­la­ger­ten Ter­mi­nal des Flug­ha­fens erfol­gen, den die Klä­ger nicht mehr recht­zei­tig errei­chen konn­ten. Sie kamen infol­ge­des­sen mit einem ande­ren Flug 7 ½ Stun­den spä­ter als vor­ge­se­hen in Düs­sel­dorf an.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Kla­ge abge­wie­sen1, das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat ihr auf die Beru­fung der Klä­ger dage­gen statt­ge­ge­ben2 . Mit der vom Land­ge­richt Düs­sel­dorf zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt die Beklag­te das Ziel der Kla­ge­ab­wei­sung wei­ter.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Revi­si­ons­ver­fah­ren zunächst aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge vor­ge­legt, ob dem Flug­gast eine Aus­gleichs­zah­lung nach Art. 7 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung auch dann zusteht, wenn sich der Abflug um eine Zeit­span­ne ver­zö­gert hat, die unter­halb der in Art. 6 Abs. 1 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung defi­nier­ten Gren­zen liegt, die Ankunft am letz­ten Ziel­ort aber min­des­tens drei Stun­den nach der plan­mä­ßi­gen Ankunfts­zeit erfolgt.

Nach­dem der Uni­ons­ge­richts­hofs die­se Fra­ge in einem ande­ren Ver­fah­ren zwi­schen­zeit­lich beant­wor­tet hat3, hat der Bun­des­ge­richts­hof sodann das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen mit Rück­sicht auf die­ses Urteil wie­der zurück­ge­nom­men und die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen.

Wie bereits in sei­nem 4 hat er die Kla­ge­for­de­rung für begrün­det erach­tet, weil nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on den Flug­gäs­ten eines ver­spä­te­ten, wie im Streit­fall in den Anwen­dungs­be­reich der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung fal­len­den Flugs ein Aus­gleichs­an­spruch nach Art. 7 zusteht, soweit sie wie die Klä­ger infol­ge der Flug­ver­spä­tung ihr indi­vi­du­el­les End­ziel mit einer Ver­spä­tung von min­des­tens drei Stun­den errei­chen. Dies gilt auch, wenn die ver­spä­te­te Ankunft am End­ziel dar­auf beruht, dass infol­ge der Flug­ver­spä­tung ein selbst nicht ver­spä­te­ter Anschluss­flug ver­passt wird. Beden­ken gegen die­se Aus­le­gung der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung erge­ben sich weder aus dem Pri­mär­recht der Euro­päi­schen Uni­on noch aus dem Grund­ge­setz.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2013 – X ZR 12310

  1. AG Düs­sel­dorf, Urteil vom 03.02.2010 — 25 C 1007109 []
  2. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 20.08.2010 — 22 S 4110 []
  3. EuGH, Urteil vom 26.02.2013 — C‑11/11, Air France/Folkerts []
  4. BGH, Urteil vom 07.05.2013 — X ZR 12711 []