Der verpasste Anschlussflug

Einem Flug­gast steht nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­ne pau­scha­lier­te Aus­gleichs­zah­lung nach der „Ver­ord­nung (EG) Nr. 2612004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen“ zu, wenn er wegen eines ver­spä­te­ten Zubrin­ger­flugs einen Anschluss­flug nicht erreicht.

Der verpasste Anschlussflug

In dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall hat­ten der Klä­ger und sei­ne Lebens­ge­fähr­tin bei der Beklag­ten für den 27. Sep­tem­ber 2006 eine Flug­rei­se von Frank­furt am Main über Paris nach Bogo­tá gebucht. Das Flug­zeug nach Paris soll­te um 7.25 Uhr star­ten und um 8.45 Uhr in Paris lan­den, der Wei­ter­flug war für 10.35 Uhr vor­ge­se­hen. Die Rei­sen­den gaben ihr Gepäck zwar bis Bogo­tá auf, erhiel­ten jedoch in Frank­furt noch kei­ne Bord­kar­ten für den Wei­ter­flug. Der Abflug in Frank­furt ver­zö­ger­te sich wegen Nebels und des über­füll­ten Flug­raums über Paris, so dass die Lan­dung in Paris erst um 9.43 Uhr erfolg­te. Als die Rei­sen­den am Ter­mi­nal ein­tra­fen, wur­den sie unter Hin­weis auf den bereits abge­schlos­se­nen Ein­stei­ge­vor­gang für den Flug nach Bogo­tá nicht mehr abge­fer­tigt. Sie konn­ten erst am nächs­ten Tag nach Bogo­tá wei­ter­flie­gen.

Die Par­tei­en strei­ten dar­über, ob es eine „Nicht­be­för­de­rung“ im Sin­ne der Ver­ord­nung dar­stellt, wenn ein Flug­gast einen Anschluss­flug nicht erreicht, weil der – gemein­sam mit dem Anschluss­flug gebuch­te und von der­sel­ben Flug­ge­sell­schaft durch­ge­führ­te – Zubrin­ger­flug erheb­lich ver­spä­tet erfolgt. Die Rei­sen­den haben jeweils eine Aus­gleichs­zah­lung in der – für die ver­wei­ger­te Beför­de­rung auf einem Flug über eine Ent­fer­nung von mehr als 3.500 km vor­ge­se­he­nen – Höhe von 600 Euro bean­sprucht.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Amts­ge­richt Frank­furt am Main hat die Kla­ge abge­wie­sen, eben­so das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main die Beru­fung. Und auch vor dem Bun­des­ge­richts­hof hat­ten die Klä­ger kei­nen Erfolg, der BGH bestä­tig­te die­se Ent­schei­dun­gen.

Der Aus­gleichs­an­spruch hat nach der EU-Ver­ord­nung drei Vor­aus­set­zun­gen:

  • Der Flug­gast muss ent­we­der über eine bestä­tig­te Buchung für den betref­fen­den Flug ver­fü­gen oder von einem ande­ren Flug, für den er eine sol­che Buchung besaß, auf den betref­fen­den Flug umge­bucht wor­den sein.
  • Der Flug­gast muss sich – wenn ihm nicht schon vor­her die Mit­nah­me ver­wei­gert wor­den ist – zur ange­ge­be­nen Zeit zur Abfer­ti­gung („Check-in“) ein­ge­fun­den haben.
  • Dem am Flug­steig anwe­sen­den Flug­gast ist der Ein­stieg („Boar­ding“) gegen sei­nen Wil­len ver­wei­gert wor­den.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind aber, so der BGH, nicht erfüllt, wenn der Flug­gast wegen der Ver­spä­tung des Zubrin­ger­flugs nicht recht­zei­tig zur Abfer­ti­gung (und infol­ge­des­sen auch nicht am Flug­steig) erschei­nen kann und den Anschluss­flug ver­passt. Ange­sichts die­ses ein­deu­ti­gen Ergeb­nis­ses bedurf­te es nach Ansicht des BGH kei­ner Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten.

Das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs betrifft nur den von einem Ver­schul­den der Flug­ge­sell­schaft unab­hän­gi­gen Aus­gleichs­an­spruch nach der Ver­ord­nung. Die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen dem Flug­gast ein ver­trag­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch zusteht, war nicht Gegen­stand des Rechts­streits.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. April 2009 — Xa ZR 7808